„Saniert sie noch oder lebt sie schon?“ – Heute: die Bodenplatte.

Wenn man heute ein neues Haus ohne Keller baut, dann wird als erstes die Bodenplatte aus wasserdichtem Stahlbeton gemacht, denn diese trägt das Haus.
Kauft man ein 175 Jahre altes Haus, dann hat man keine Stahlbetonplatte. Man hätte aber gerne. Nicht nur, weil der Statiker das gerne hätte :-)

Möchte man eine Bodenplatte nachträglich in ein Haus einbauen, muss zunächst der Fußboden im Erdgeschoss weg. Bei uns lagen teilweise alte Fliesen, Teppichfliesen und PVC. Nachdem wir dies entfernt hatten, erwartete uns unterhalb des Teppichs und des PVCs der alte Dielenboden.
Leider war dieser nicht mehr zu retten. Gerade in dem Bereich, wo der PVC-Boden oberhalb der Dielen lag, waren diese komplett morsch.

Alte, morsche Dielen im ehemaligen Esszimmer
Alte Dielen im Wohnzimmer entfernen

Nachdem einmal die Dielen entfernt waren, standen wir größtenteils im Sand. Unser Haus war wie ein riesig großer Sandkasten mit vier Wänden und einem Dach. Ok, das ehemalige Lesezimmer hatte eine dünne Betonplatte, die durch die Verlegung des Kellereingangs kurz vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden war. Aber sonst: nur Sand.

Alte Dielung auf der Betonplatte nahe des Kellerabgangs

Im ehemaligen Stall fanden wir Backsteine als Boden ausgelegt. Aber auch darunter: Sand.

Im alten Stall lagen Ziegelsteine.

Leider kann man jetzt nicht einfach mit dem Beton weitermachen.
Nein: man muss den Sand 45cm tief ausheben, wenn man nicht zukünftig niedrigere Räume haben möchte. Also wurde ausgehoben: mit der Schaufel.
Und jetzt kommt das Gemeine: der Sand ist nicht mehr locker, sondern richtig fest. Teilweise so fest, dass ich zwischenzeitlich der Meinung war, das es sich doch um Beton handeln würde.
Aber es half ja nichts: das Zeug musste raus.

Schuttberg im Innenhof

Im ehemaligen Lesezimmer fanden wir den alten Kellerabgang, den wir wieder nutzen möchten. Den zwischenzeitlich neuen Kellerabgang haben wir wieder verschalt und mit Beton zugemacht.

Der neue, alte Kellerabgang

Nach vielen Stunden Arbeit, extremster Schaufelei, Lockerung des Erdreichs mit dem Bohrhammer und dem Entsorgen des Drecks mit Hilfe einer Schubkarre auf den großen Schutthaufen im Innenhof war es soweit: wenn man zur Haustür hinein kam, fiel man 45cm tief.

Im Hausflur 45cm tiefer

Seht ihr auf dem Bild oben den Schwellbalken links? So sahen leider fast alle unsere Schwellbalken aus, d.h. sie waren morsch. Und diese Balken tragen eigentlich die Wände.
Es wurde also höchste Zeit, dass man die Wände wieder auf ein ordentliches Fundament stellt.
Im obigen Bild könnt ihr auch zwei rote Abwasserrohre sehen, die auf der linken und rechten Seite (in einer Linie mit der Schaufel) stehen. Darin standen Stützen. Denn nachdem die Schwellbalken die Wände nicht mehr trugen, musste dies zeitweise von den Stahlstützen übernommen werden.
Kam man nun zur Haustür hinein, schwebten die kompletten Zwischenwände. Das war gruselig, kann ich euch sagen!

Das schwebende Erdgeschoss

Und damit man unter dem alten Streifenfundament auch Beton hat, gräbt man noch so genannte Taschen in die Mauer. Das sieht dann so aus:

löchrige Außenwand

Diese Taschen wurden dann verschalt und mit Beton gefüllt. Danach konnte man das restliche alte Fundament entfernen und die so entstandenen Taschen wurden dann mit dem Gießen der Betonplatte gefüllt.

Nachdem wir dann soweit waren, zog die erste, neue Infrastruktur bei uns ein: die Abwasserrohre und eine Gasleitung. Das war wie Weihnachten. Bisher hatten wir ja nur Erdreich hinausbefördert und nun zog etwas Bleibendes wieder ein.

Abwasserrohre und die Gasleitung in der neuen Küche

Und was kommt nun?
Jetzt kommt wieder Sand hinein. Sand! Natürlich nicht der, den man zuvor hinausbefördert hat. Nee, dass muss neuer Sand sein. Nach ein paar Zentimetern Sand kommt eine Folie und darauf der Stahl. In zwei Lagen werden Matten mit so Abstandshaltern (keine Ahnung, wie das richtig heißt) eingebracht und dann verrödelt. Das haben wir nicht selbst gemacht, sondern wir haben damit einen Betonbauer beauftragt. Der hat dann auch die Platte gegossen.

Stahlmatten im Wohnzimmer
Stahlmatten in der neuen Küche (links)

Dann kam der Beton in einem großen Mischwagen. Leider waren wir zu dieser Zeit arbeiten, aber unsere Nachbarn haben Fotos gemacht. Nicht wegen des Betonmischers, so etwas sieht man ja mal häufiger. Nein, wir hatten auch eine Betonpumpe, die den Beton von der Straße über unser Dach in die Küche beförderte.

Beton für die Küche

Nach Feierabend bin ich dann an unserem Haus vorbeigefahren und konnte den nassen Beton bewundern. Ehrlich: ich hab mich unendlich gefreut!

Beton in der Küche

Beton im Hausflur

Ich weiß gar nicht mehr, wie lange wir warten mussten, bis wir unsere Bodenplatte das erste Mal betreten durften. Aber es war ein Fest! 
 

Bodenplatte in der Küche
Bodenplatte im Wohnzimmer
Am neuen, alten Kellerabgang
Vom Hausflur aus Richtung Innenhof

Geschafft! Wir haben eine Betonplatte. Nun kann der Aufbau weitergehen.
Mit den Zwischenwänden geht’s beim nächsten Mal weiter.

7 Kommentare

  1. Bille sagte:

    Oh Mann, das ist jedes Mal wiede aufregend hier! Muss ich nachher gleich noch Jan zeigen…

    23. April 2014
    Antworten
  2. Bella sagte:

    Oh herrje…. wenn ihr da keine Nerven wie Drahtseile hattet :-)

    RESPEKT!!!

    LG
    Bella

    23. April 2014
    Antworten
  3. Hut ab… ich bin echt immer wieder begeistert mit wie viel Elan ihr da ran geht

    24. April 2014
    Antworten
  4. Da sehe ich die Bilder unserer Baustelle wieder vor meinem geistigen Auge ;((, aber das war nicht ansatzweise so spektakulär wie bei euch ! Viel Kraft und viel Geduld und vor allem säckeweise Humor für die nächste Zeit!
    LG Elisabeth

    5. Mai 2014
    Antworten
  5. Anonymous sagte:

    Unglaublich sieht das aus! Ich bewundere Deine Kraft.

    LG Tina B.

    6. Juni 2014
    Antworten
  6. Schindler Eric sagte:

    Hallo habe soeben ihren Beitrag zum Fundament gelesen. Gerne würde ich noch etwas mehr darüber erfahren da meine LebensGefährtin und ich auch ein altes Haus ohne richtige Bodenplatte gekauft haben! Leider haben wir da noch nicht die richtige Erfahrung wie wir es richtig anstellen sollen. Würde mich freuen von Ihnen eine Antwort zu bekommen!!
    Mfg Eric

    4. Januar 2016
    Antworten
  7. Oliver sagte:

    Wow. Ich habe ja auch die Möglichkeit ein Haus ohne Bodenplatte zu kaufen. Allerdings ist dies in Ständerbauweise gebaut. Mich würde mal interessieren, wie hoch die Kosten für dieses einzelne Projekt sind

    7. Februar 2016
    Antworten

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