„Saniert sie noch oder lebt sie schon?“ – Heute: das Dach.

Das Dach war das erste große Gewerk, das wir in Angriff genommen haben.
Zurückblickend muss ich sagen, dass man besser mit dem Fundament angefangen hätte. Aber gut, mit der heutigen Erfahrung würde ich einiges anders machen: entschlossener als Bauherrin auftreten, schlechte Handwerker entlassen, schlechte Architekten ebenso, …

Zurück zum Dach.
Recht früh hatten wir Kontakt zu einem ortsansässigem Dachdecker, mit dem wir unsere Dachsanierung planten. Gingen wir am Anfang noch davon aus, dass wir nur die Ziegeln und die Dachsparren erneuern müssen, haben wir nachher auch noch einiges am Dachstuhl machen müssen.
Ein dem Dachdecker bekannter Zimmermann erledigte die Arbeiten am Dachstuhl. Eigentlich war dieser Handwerker ein Griff ins Klo. Das einzig Positive daran: durch ihn haben wir unseren „Zimmermann des Vertrauens“ kennengelernt, den wir heute mit allen Arbeiten rund ums Holz betrauen.

Zunächst zeige ich euch zwei Bilder vom Zustand vor unseren Arbeiten.

Hier ein Blick in unseren Dachboden vom Haupthaus. Keine Dämmung, keine Folie. Der Blick kann ungehindert auf die Dachziegeln gerichtet werden. Und als Lichtquelle gelten zwei Glasdachziegeln. Die ich im Übrigen ähnlich hässlich finde wie Glasbausteine.

Hier ein Blick auf den Dachabschluss. Lehm und Stroh dichteten das Dach ab. Ziemlich faszinierend, wie damals gebaut wurde, oder?

Nun ging es also los.
Da unser Haus vom Umriss einem „L“ gleicht, haben wir vier recht große Dachflächen. Zusammen sind das knapp 200 m². Zunächst haben wir die Dachflächen des Haupthauses erneuert.
Zuerst ging es der Vorderseite an den Kragen.
Die alten Dachpfannen landeten im bestellten Container und nach dem Entfernen der alten Sparren hatte man einen „besonderen“ Blick auf den Dachstuhl.

Als ich an dem Tag auf die Baustelle kam, stockte mir erst mal der Atem.
Schnappatem bekam ich dann auf dem Dachboden.

 

 

„Oh mein Gott!“ Mehr konnte ich erst mal nicht denken. Es sah alles so viel schlimmer aus als zuvor.
Ich weiß zwar, dass man bei Sanierungen erst mal was kaputt macht, bevor es vorwärts geht. Aber das?!? So hatte ich mir das nicht vorgestellt.
Zum Glück war am Ende des Tages die Vorderseide mit Dachfolie wieder zu. „Schon Besser. Puuh.“

Dann kam aber das Desaster.
Nach der Vorderseite kam dann die Hinterseite des Hauptdaches.
Hier lagen keine alten Betonziegeln, sondern asbesthaltige Betonplatten auf dem Dach. Mit dem Zimmermann (der, den ich NICHT mehr beauftragen würde) war abgesprochen, dass wir am Donnerstag die alten Platten vom Dach holen und er dann am Tag darauf die Sparren erneuert, damit der Dachdecker die Folie anbringen konnte.
Soweit der Plan.

Am Donnerstag holte mein Mann gemeinsam mit dem Dachdecker die Platten herunter.
Diese waren leider so schwer, dass sie nicht an einem Stück vom Dach geholt werden konnten.
Eigentlich nicht so schlimm, aber so mussten wir einen Berg Schutt abtragen statt ein paar Platten zu entsorgen.

Dann kam der Freitag und mit ihm auch der Zimmermann. Da es über Nacht leicht gefroren hatte, war dieser nicht bereit auf’s Dach zu steigen. Verständlich. Nicht verständlich war, dass es an einem Tag mit gutem Wetter (sprich Sonne) nicht bereit war zu warten. Schließlich hatte er unser Dach doch für heute zeitlich eingeplant, oder?
Mein Hinweis auf die drohende Schlechtwetterfront am Wochenende mit viel Regen ignorierte er einfach. Schließlich stand nicht sein Haus „ohne oben“ dar.
Der Zimmermann fuhr also wieder und was passierte am Wochenende: es regnete. Durch das Dach.
Am Sonntag Abend stand ich also gemeinsam mit Thomas in einem Haus, wo es im Erdgeschoss durch die Lehmdecken tropfte. Ich war so sauer!
Sauer auf den Zimmermann und sauer auf mich. Hätte ich mich doch einfach nicht auf die Aussage des Zimmermann verlassen. Diese war: „Wenn Sie am Tag zuvor die Platten vom Dach holen, mache ich auf jeden Fall die Sparren am Tag darauf.“
Die nächsten Tage wurde es noch schlimmer. Den Zimmermann erreichten wir nicht mehr. Er ging nicht an sein Telefon und schien uns zu ignorieren.
Der einzige Halt: der Dachdecker. Dieser zog gemeinsam eine Plane mit uns über die offene Dachseite. Somit hatten wir ein wenig Schutz vor dem mittlerweile fallenden Schnee.
Nun hatte ich also kein Wasser mehr, was durch die Decke tropfte, sondern konnte einen Schneemann auf dem Dachboden bauen. Hmpf!

Wenn ich jetzt so daran denke, dann muss ich schmunzeln. Aber damals war mir so elend zumute!

Dann der Lichtblick: der Zimmermann, aus der Versenkung wieder aufgetaucht, kündigte sein Kommen an. Morgens war er dann mit drei weiteren Leuten, zwei davon kannte ich nicht, auf der Baustelle und ich atmete ein wenig auf. „Vier Leute schaffen das an einem Tag.“, dachte ich.
Nach einer kurzen Erklärung, was zu tun sei, verschwand „mein“ Zimmermann dann mit seinem Angestellten wieder. Ich bekam nicht mehr als ein kurzes „Ich muss auf eine andere Baustelle.“.
Und weg war er. Ohne ein weiteres Wort.
Da stand ich nun mit zwei mir unbekannten Zimmerleuten, die mit den Arbeiten anfingen.
Nach einer Stunde, in der ich andere Aufgaben wahrnahm, bot ich den beiden einen Kaffee an und lernte meine „Retter in der Not“ kennen. Und erfuhr, dass die beiden Zimmerleute sich kennen und sich gegenseitig aushalfen. Scheinbar hatte unser beauftragter Zimmermann so viel zu tun, dass er einen anderen mit unserem Dach beauftragt hatte. Nachdem ich das verdaut hatte, fragte ich vorsichtig nach, ob sie mit den Sparren und den Reparaturen am Dachstuhl heute fertig werden würde. Mit einem Kopfschütteln bekam ich meine Antwort.
Ob er denn am nächsten Tag wieder kommen würde, fragte ich ihn. Geplant sei dies nicht, antwortete er mir. „Mist!“ Ich sah schon wieder Schnee auf dem Dachboden.
Da ich anscheinend ein so elendes Bild bot, packte er sein Mobiltelefon und führte ein Telefonat. Danach teilte er mir mit, dass er einen Termin verschieben konnte und somit morgen kommen konnte. Da wäre ich ihm am liebsten um den Hals gefallen!

Und er hielt Wort. Am nächsten Tag war er da und schloss die Arbeiten ab. Gleichzeitig war der Dachdecker da und zog die Plane über’s Dach. Geschafft!

 

Danach mussten wir uns erst mal von dem Erlebten erholen. Man erzählte uns, dass wir Pech mit dem Wetter hatten. Eigentlich würde sich dieser Monat zum Dachsanieren anbieten. Und so früh hat man auch selten Schnee im Winter.
Sei’s drum.

Als nächstes kamen die neuen Ziegeln. Mit einem Lift kamen die Ziegeln schnell auf’s Dach.

Auf der Rückseite wurden die Ziegeln im Kehlbereich (der Bereich, wo die beiden Dächer durch die L-Form des Hauses aufeinander treffen) auch mal mit einer Menschenkette auf das Dach gebracht.
 

Nach einigen Tagen war es dann geschafft: wir hatten ein neues Dach! 

Seit dieser Zeit weiß ich wie wichtig es ist, ein Dach über dem Kopf zu haben.
Es hält Regen und Schnee ab und verhindert, dass man Schneeballschlachten auf dem Dachboden austragen kann. Sehr nützlich, wie ich feststellen musste :-)

Das soll es für heute gewesen sein.

5 Kommentare

  1. N. sagte:

    Tital soannend ist das, unbedingt weitermachen!

    2. März 2014
    Antworten
  2. Anonymous sagte:

    Puh, ist das aufregend! Freue mich schon auf den nächsten Bericht!
    Gruß Tine

    3. März 2014
    Antworten
  3. scrapperia sagte:

    Ich find das auch tital soannend! :-D (Hat Nadine jetzt ein iPhone?)

    3. März 2014
    Antworten
  4. Max Bach sagte:

    Das klingt ja nach einem Krimi! Handwerker gibts viele, aber gute nur wenige!

    11. März 2014
    Antworten

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