Der letzte Monat

Aus der Versenkung heraus dachte ich mir, ich könnte mich ja mal melden. Der letzte Monat und auch die erste Hälfte dieses Monats waren bisher recht anstrengend.
„Multitasking“ wird heute ja quasi vorausgesetzt und so versuche ich Arbeitnehmerin, Bauherrin, liebevolle Ehefrau, Hausfrau und Katzenmama in einem zu sein. Das läuft mal mehr und mal weniger gut.
Eine Auszeit nehmen? Undenkbar. Meine Urlaubstage sind aufgebraucht und Arbeit ist auch genügend da. Ungern würde ich meine Kollegen alleine lassen, sind wir doch nur zu dritt im Team.
Und so habe ich vor knapp zwei Wochen eine unfreiwillige Auszeit verpasst bekommen. Mein Körper war der Meinung, dass Schluss mit Lustig ist und ich war eine komplette Woche aus dem Verkehr gezogen. Selbst schuld, wenn man nicht auf den eigenen Körper hört.
Seitdem versuche ich bewusster durch den Tag zu gehen, negative Dinge weniger an mich heran zu lassen und mich weniger über die Dinge aufzuregen, die ich eh nicht ändern kann. Gar nicht so leicht, aber ich merke, dass es mir damit besser geht. Scheint also der richtige Weg zu sein.

Und währenddessen wächst unser Haus. Im Moment kann man wirklich dabei zusehen, wie Wände entstehen, Decken ihren erste Ausbaustufe erhalten und alles immer mehr Gestalt annimmt.
Gestern Abend habe ich einige Hausbilder durchgeschaut und habe festgestellt, dass wir dieses Jahr enorme Fortschritte gemacht haben und zwar das ganze Jahr durch.
In der nächsten Woche sollen die Fenster kommen. Damit wird unser Haus hoffentlich dicht und wir können ans Heizen mit einem kleinen Ofen denken. Uhuuund: der Sanitär- und Heizungsbauer kommt und legt Wasserleitungen und so und somit bekommen wir nach knapp 1 1/2 Jahren wieder eine richtige Toilette auf die Baustelle. Das ist wie ein Sechser im Lotto! Jetzt heißt es nur noch: „Daumen drücken!“ Denn wenn es eins gibt, dass ich in den knapp 2 1/2 Jahren Kernsanierung gelernt habe, dann das, dass es meist nicht so läuft wie man sich das vorstellt.

Thomas und ich haben am Anfang der Woche überlegt, ob es Dinge gibt, die wir in Bezug auf das Haus bereuen. Viele fragen uns, ob es denn wirklich Sinn macht, ein altes Haus zu kaufen und zu sanieren und ob es die Arbeit wert ist.
Eine nicht ganz leicht zu beantwortende Frage. Ich weiß nur soviel:

In einer Zeit, in der Schnelligkeit zählt, in der Häuser in 3 Monaten fertig sind, in der es Nagelpistolen statt Hämmer auf Baustellen gibt, in der ein Niedrigenergiesparhaus fast ein Muss ist, sanieren wir ein 175 Jahre altes Haus mit Holz und Lehm. Mit Fenstern, die nicht dreifach verglast sind und Wandheizung. Und brauchen dann ca. drei bis dreieinhalb Jahre für die Kernsanierung und mehr Geld, als für einen Neubau.

Ich liebe dieses Haus. Ich wohne noch nicht drin und dennoch fühlte ich mich von der ersten Besichtigung an zu diesem Objekt hingezogen. Es hat etwas Besonderes. Von außen so unscheinbar und wenn man hinter die Fassade schaut, kann man so vieles entdecken. Es hat schon soviel erlebt, Kriege überstanden und Menschen kommen und gehen gesehen. Bevor es zu einer Ruine wird, hauchen wir ihm neues Leben ein.

Um es mit den Worten der Raumfee zu sagen:
„Die Geschichte von Dingen berührt. Ein altes Schulpult trägt die Vergangenheit und die Spuren von unzähligen Kindern in sich. Leben. Es hat emotionales Gewicht.
Welchen emotionalen Wert hat ein Spanplattenregal? Eben.“

Und so bin ich fest davon überzeugt, dass sich unser kompletter Einsatz lohnen wird.
An Tagen, an denen ich zweifle, an denen mir alles zu viel wird, rufe ich mir das ins Gedächtnis.

Und weil ein wenig Entspannung auch mal gut tut, werde ich das nächste Wochenende in der Papierwerkstatt verbringen. Ich freu mich wie Bolle darauf und danach gibt’s hier sicherlich etwas Kreatives zu sehen.

2 Kommentare

  1. Bille sagte:

    Oh je, hatte es dich auch ausgeschenkelt…
    Schön, dass es dir wieder besser geht!
    Und bezüglich des Hauses kann ich dir nur zustimmen. Aber nicht immer. ;-)

    15. November 2012
    Antworten
  2. N. sagte:

    Ich bin froh, dass ihr das Haus immer noch als richtige Entscheidung betrachtet. So eine lange Zeit der Sanierung mit all seinen Rückschlägen kann ja ganz schön mürbe machen. Und wie gut, dass du nicht pünktlich zum PaWe-Wochenende daniederliegst! Das hätte und gerade noch gefehlt! Freu mir auf dir!!!

    16. November 2012
    Antworten

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